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Beatmung bei der Wiederbelebung: Warum sie für ausgebildete Ersthelfende unverzichtbar bleibt

Ausgebildete Ersthelferin beatmet eine bewusstlose Person im Rahmen der Wiederbelebung. Das Beitragsbild zeigt, warum Beatmung in der Ersten Hilfe weiterhin wichtig bleibt.
Kurze Antwort:
Beatmung bleibt für ausgebildete Ersthelfende unverzichtbar, weil beim Auffinden einer leblosen Person Ursache und Liegedauer oft unklar sind. Die Herzdruckmassage kann vorhandenen Sauerstoff im Körper verteilen, bringt aber keinen neuen Sauerstoff in die Lunge. Besonders bei Ertrinken, Atemwegsverlegung, Atemnot, Kindernotfällen oder unklarer Liegedauer ist die Kombination aus 30 Herzdruckmassagen und 2 Beatmungen deshalb weiterhin ein wichtiger Bestandteil wirksamer Erster Hilfe.

Viele Menschen kennen heute die einfache Botschaft: Prüfen, Rufen, Drücken. Und diese Botschaft ist wichtig. Denn sie nimmt Angst, macht den Einstieg leichter und sorgt dafür, dass Menschen überhaupt mit der Herzdruckmassage beginnen.

Aber sie erzählt nicht die ganze Geschichte.

Denn eine Wiederbelebung ist nicht immer der plötzlich beobachtete Herzstillstand, bei dem ein Mensch vor den Augen anderer zusammenbricht. Sehr häufig wird eine leblose Person erst aufgefunden. Niemand weiß dann genau, wie lange sie bereits liegt. Niemand weiß sicher, ob vorher noch ausreichend Sauerstoff im Blut vorhanden war. Und niemand kann im ersten Moment zuverlässig unterscheiden, ob der Kreislaufstillstand vom Herzen ausging oder ob zuerst ein Sauerstoffmangel bestand.

Genau deshalb bleibt die Beatmung für ausgebildete Ersthelfende unverzichtbar. Nicht als Ersatz für die Herzdruckmassage. Sondern als wichtiger Bestandteil einer vollständigen, wirksamen Wiederbelebung.

Wichtig:
Wer nicht beatmen kann, nicht geschult ist oder sich im Notfall nicht dazu in der Lage fühlt, soll trotzdem sofort mit der Herzdruckmassage beginnen. Drücken ist immer besser als nichts. Für ausgebildete Ersthelfende bleibt die Beatmung jedoch ein wichtiger Bestandteil der Reanimation.

Herzdruckmassage rettet Leben. Aber sie ersetzt nicht immer die Beatmung

Die Herzdruckmassage ist der wichtigste erste Schritt bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand. Sie hält einen minimalen Blutfluss aufrecht und kann Sauerstoff, der noch im Blut vorhanden ist, zum Gehirn und zu lebenswichtigen Organen transportieren.

Deshalb gilt: Wer nicht beatmen kann, nicht geschult ist oder sich nicht traut, soll trotzdem sofort drücken. Keine Hilfe zu leisten, wäre deutlich schlechter.

Die aktuellen Empfehlungen unterscheiden aber bewusst zwischen ungeschulten Helfenden und trainierten Helfenden. Wer in der Beatmung geschult ist, soll Herzdruckmassage und Beatmung kombinieren. Wer nicht geschult ist, führt durchgehend Herzdruckmassagen aus.

Die richtige Botschaft lautet deshalb nicht: „Beatmung ist unwichtig.“

Die richtige Botschaft lautet: Drücken ist besser als nichts. Aber wer ausgebildet ist, sollte auch beatmen können.

Beim Auffinden weiß niemand, wie viel Sauerstoff noch vorhanden ist

Ein zentraler Punkt wird in der öffentlichen Diskussion oft übersehen: Ersthelfende finden eine leblose Person häufig nicht direkt im Moment des Kollapses.

Vielleicht liegt die Person schon seit zwei Minuten. Vielleicht seit fünf Minuten. Vielleicht länger. Vielleicht war die Ursache ein plötzliches Herzereignis. Vielleicht aber auch Ertrinken, Ersticken, Atemwegsverlegung, Krampfanfall, Vergiftung, eine schwere Atemnot oder ein anderer Zustand, bei dem zuerst der Sauerstoffmangel kam und erst danach der Kreislaufstillstand.

Beim Auffinden kann der Ersthelfende nicht sicher erkennen, ob noch ausreichend Sauerstoff im Blut vorhanden ist.

Genau hier liegt die Schwäche einer reinen Herzdruckmassage: Sie kann vorhandenen Sauerstoff verteilen. Sie bringt aber keinen neuen Sauerstoff in die Lunge. Mit zunehmender Dauer sinkt der Sauerstoffgehalt weiter.

Für ausgebildete Ersthelfende ist die Beatmung deshalb keine Nebensache. Sie ist die Antwort auf die Unsicherheit, die beim Auffinden einer leblosen Person immer besteht.

Merke:
Die Herzdruckmassage bewegt Blut. Die Beatmung bringt Sauerstoff in die Lunge. Beides erfüllt unterschiedliche Aufgaben und ergänzt sich bei der Wiederbelebung.

Nicht jeder Kreislaufstillstand ist ein reines Herzproblem

Die reine Herzdruckmassage ist vor allem dort stark, wo ein plötzlicher, beobachteter Herz-Kreislauf-Stillstand bei Erwachsenen wahrscheinlich ist. In solchen Fällen kann anfangs noch Sauerstoff im Blut vorhanden sein.

Anders sieht es aus, wenn der Kreislaufstillstand durch Sauerstoffmangel entstanden ist. Das betrifft zum Beispiel Ertrinken, Ersticken, Atemwegsverlegung, Vergiftung, schwere Atemprobleme oder viele Notfälle bei Kindern.

Die Studie von Kitamura et al. im Lancet zeigte bei Kindern mit außerklinischem Kreislaufstillstand nicht-kardialer Ursache deutlich bessere neurologische Ergebnisse, wenn Ersthelfende klassische CPR mit Beatmung durchführten, verglichen mit reiner Herzdruckmassage.

Das ist für die Erste-Hilfe-Ausbildung entscheidend: Im echten Notfall steht auf der Stirn der betroffenen Person nicht, ob der Stillstand kardial oder hypoxisch entstanden ist. Ausgebildete Ersthelfende brauchen deshalb einen Ablauf, der beide Möglichkeiten berücksichtigt.

Freie Atemwege allein bedeuten noch keine ausreichende Belüftung

Ein weiterer Irrtum lautet: Wenn der Kopf überstreckt ist und die Atemwege frei sind, reicht die Herzdruckmassage aus, um genug Luft zu bewegen.

Das klingt zunächst logisch, ist aber gefährlich verkürzt.

Bei der Herzdruckmassage entstehen zwar Druckveränderungen im Brustkorb. Diese können geringe passive Luftbewegungen erzeugen. Das ist aber nicht gleichbedeutend mit einer zuverlässigen und ausreichenden Belüftung der Lunge.

Ein überstreckter Kopf ist wichtig. Freie Atemwege sind wichtig. Aber sie ersetzen nicht automatisch eine wirksame Beatmung.

Praktisch erklärt:
Auch wenn die Atemwege geöffnet sind, entsteht durch die Herzdruckmassage keine zuverlässig ausreichende Belüftung. Passive Luftbewegung ist nicht dasselbe wie eine aktive Beatmung.

Was die DGUV für die Erste Hilfe beschreibt

Für den betrieblichen Bereich ist die DGUV Information 204-007 ein wichtiger Bezugspunkt. Dort wird die Wiederbelebung klar als Wechsel aus Herzdruckmassage und Atemspende beschrieben: 30 Herzdruckmassagen mit einer Frequenz von etwa 100 bis 120 Kompressionen pro Minute und einer Tiefe von 5 bis maximal 6 Zentimetern, kombiniert mit 2 Atemspenden.

Die DGUV beschreibt auch, dass zum Beatmen die Atemwege geöffnet werden, indem der Kopf vorsichtig nach hinten geneigt und das Kinn angehoben wird. Eine Atemspende soll etwa eine Sekunde dauern, der Brustkorb soll sich sichtbar heben und wieder senken. Danach wird im Wechsel mit 30 Herzdruckmassagen und 2 Atemspenden fortgefahren.

Gleichzeitig bleibt die DGUV pragmatisch: Wenn eine Atemspende aus irgendeinem Grund nicht möglich ist, soll zumindest die Herzdruckmassage ohne Beatmung fortgeführt werden.

Auch hier ist die Botschaft eindeutig: Beatmung ist vorgesehen, aber fehlende Beatmung darf niemals dazu führen, dass gar nicht geholfen wird.

Die Zweihelfermethode: Teamarbeit ja, Chaos nein

In vielen Erste-Hilfe-Kursen entsteht ein vertrautes Bild: Zwei Helfende knien am Patienten. Eine Person drückt. Die andere beatmet.

Grundsätzlich ist es gut, wenn mehrere Helfende vor Ort sind. Aber daraus darf keine unklare oder schlecht koordinierte gleichzeitige Arbeitsweise entstehen.

Bei einer Wiederbelebung ohne gesicherten Atemweg gilt: Druckphase und Beatmungsphase müssen klar getrennt bleiben.

Das ist wichtig, weil eine Beatmung während laufender oder zu früh wieder beginnender Kompressionen die Beatmungsqualität verschlechtern kann. Zusätzlich kann übermäßige Beatmung problematisch sein, weil sie den Druck im Brustkorb erhöhen und die Kreislaufwirkung der Herzdruckmassage verschlechtern kann.

Besserer Ablauf im Team:
Nicht gleichzeitig chaotisch arbeiten. Besser ist ein klarer, sequenzieller Ablauf: 30 Herzdruckmassagen, dann 2 Beatmungen, danach sofort weiterdrücken. Der zweite Helfende unterstützt mit Notruf, AED, Material, Zählen und rechtzeitiger Ablösung.

Deshalb ist die bessere Ausbildungslogik:

  • einfach
  • klar
  • sequenziell

30 drücken.
Kurz beatmen.
Sofort weiterdrücken.
Nach etwa zwei Minuten sauber wechseln.

Der zweite Helfende ist dabei nicht überflüssig. Im Gegenteil. Er oder sie kann den Notruf sichern, den AED holen oder vorbereiten, Beatmungshilfe bereitstellen, laut mitzählen, auf vollständige Entlastung achten und rechtzeitig die Ablösung vorbereiten.

Teamarbeit bedeutet nicht, dass alles gleichzeitig passiert. Teamarbeit bedeutet, dass der Ablauf besser wird.

Warum Beatmung geübt werden muss

Beatmung ist nicht schwierig, wenn man sie regelmäßig übt. Aber sie ist auch nicht etwas, das man im echten Notfall zum ersten Mal ausprobieren sollte.

Viele Unsicherheiten entstehen durch fehlende Routine:

  • Ist der Kopf richtig überstreckt?
  • Ist die Nase richtig verschlossen?
  • Hebt sich der Brustkorb?
  • War der Atemstoß zu stark?
  • War die Unterbrechung zu lang?
  • Was mache ich, wenn sich der Brustkorb nicht hebt?

Genau deshalb gehört Beatmung in eine gute Erste-Hilfe-Ausbildung. Nicht, um Menschen zu überfordern. Sondern um ihnen Sicherheit zu geben.

Die DGUV beschreibt ausdrücklich, dass nicht mehr als zwei Beatmungsversuche erfolgen sollen und die Kompressionen nicht länger als 10 Sekunden unterbrochen werden sollen, auch wenn eine Beatmung nicht erfolgreich war.

Das ist ein wichtiger Ausbildungsinhalt: Ausgebildete Ersthelfende müssen nicht perfekt sein. Sie müssen wissen, wie sie sicher, schnell und pragmatisch handeln.

Qualität in der Ausbildung:
Gute Erste-Hilfe-Ausbildung erklärt Beatmung nicht nur theoretisch. Sie lässt sie praktisch üben, korrigiert typische Fehler und verbindet sie mit einem klaren Ablauf für den Ernstfall.

Fazit: Beatmung bleibt unverzichtbar, gerade für ausgebildete Ersthelfende

Infografik: Warum Beatmung bei der Wiederbelebung für ausgebildete Ersthelfende wichtig bleibt, besonders bei unklarer Liegedauer und möglichem Sauerstoffmangel.

Die reine Herzdruckmassage hat einen wichtigen Platz in der Laienreanimation. Sie senkt die Hemmschwelle und ist besser als gar keine Hilfe. Deshalb ist „Prüfen, Rufen, Drücken“ eine wertvolle öffentliche Botschaft.

Aber für ausgebildete Ersthelfende reicht diese Vereinfachung nicht aus.

Denn beim Auffinden einer leblosen Person ist die Ursache oft unklar. Die Liegedauer ist häufig unbekannt. Ein Sauerstoffmangel kann bereits bestehen. Und passive Luftbewegungen durch Herzdruckmassage reichen nicht zuverlässig aus, um eine wirksame Belüftung sicherzustellen.

Darum bleibt die Beatmung ein unverzichtbarer Bestandteil guter Erste-Hilfe-Ausbildung.

Nicht jeder Mensch muss im Notfall beatmen.
Aber wer ausgebildet ist, sollte es können.

Denn genau dafür gibt es Erste-Hilfe-Kurse: nicht nur, damit Menschen wissen, was theoretisch richtig wäre. Sondern damit sie im Ernstfall ruhig, klar und wirksam handeln können.

Kernaussage:
Beatmung ist kein Ersatz für die Herzdruckmassage. Sie ergänzt sie dort, wo Sauerstoffmangel nicht ausgeschlossen werden kann. Für ausgebildete Ersthelfende bleibt sie deshalb ein wichtiger Bestandteil der Wiederbelebung.

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Quellen

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