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Wiederbelebung beim Säugling

Titelbild zum Ratgeber „Wiederbelebung beim Säugling“ mit einem Säugling in Rückenlage und einer helfenden Person in einer Erste-Hilfe-Situation.

So handeln Sie im Notfall richtig und verlieren keine wertvolle Zeit

Ein Säugling, der bewusstlos ist und nicht normal atmet, befindet sich in einer akuten lebensbedrohlichen Situation. Dieser Ratgeber zur Wiederbelebung beim Säugling zeigt Ihnen, wie Sie jetzt richtig handeln.

Sie müssen nicht perfekt handeln. Sie müssen handeln.

Dieser Ratgeber erklärt Ihnen Schritt für Schritt die Wiederbelebung eines Säuglings nach den aktuellen europäischen Leitlinien. Zunächst erhalten Sie einen kompakten Überblick über den gesamten Ablauf. Anschließend werden alle Maßnahmen ausführlich, leicht verständlich und mit vielen praktischen Hinweisen erklärt.

Wiederbelebungsablauf auf einen Blick

  1. Eigene Sicherheit prüfen.
  2. Reaktion des Säuglings überprüfen.
  3. Atemwege öffnen.
  4. Atmung höchstens zehn Sekunden prüfen.
  5. Fünf Beatmungsversuche durchführen.
  6. Notruf 112 veranlassen oder sofort eine zweite Person damit beauftragen.
  7. Atmet der Säugling nicht normal, sofort mit der Wiederbelebung beginnen.
  8. Herzdruckmassage und Beatmung bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes oder bis der Säugling wieder normal atmet fortführen.
Infografik zum Ablauf der Wiederbelebung beim Säugling mit Sicherheitsprüfung, Reaktions- und Atemkontrolle, fünf Beatmungen, Notruf 112 sowie Herzdruckmassage und Beatmung.

Gut zu wissen

In diesem Ratgeber verwenden wir bewusst eine leicht verständliche Sprache. In den offiziellen Leitlinien werden teilweise andere Fachbegriffe verwendet.

Begriff im Ratgeber Fachbegriff oder Bedeutung
Wiederbelebung Reanimation
Herzdruckmassage Herzdruckkompression
Die ersten fünf Beatmungen Initialbeatmungen
Herz-Kreislauf-Stillstand Das Herz pumpt kein Blut mehr durch den Körper.

Die Begriffe bedeuten jeweils dasselbe. Wir verwenden in diesem Ratgeber bewusst die verständlicheren Bezeichnungen.

Wiederbelebung beim Säugling Schritt für Schritt

Die folgenden Schritte helfen Ihnen dabei, die Situation schnell einzuschätzen und ohne unnötige Verzögerung zu handeln.

Schritt 1

Eigene Sicherheit prüfen

Prüfen Sie zunächst, ob Sie sich dem Säugling gefahrlos nähern können. Achten Sie beispielsweise auf Feuer, Rauch, Straßenverkehr, Strom oder andere Gefahren.

Besteht eine unmittelbare Gefahr, bringen Sie den Säugling so schnell und sicher wie möglich aus dem Gefahrenbereich. Besteht keine Gefahr, lassen Sie ihn zunächst an Ort und Stelle.

Schritt 2

Reaktion prüfen

Sprechen Sie den Säugling deutlich an und berühren Sie ihn vorsichtig an der Schulter oder an der Fußsohle.

Reagiert der Säugling nicht, rufen Sie laut um Hilfe. Vielleicht befindet sich eine weitere Person in der Nähe, die den Notruf übernehmen kann.

Wichtig: Schütteln Sie einen Säugling niemals.
Reaktion pruefen Baby

Schritt 3

Atemwege öffnen

Legen Sie den Säugling auf den Rücken. Nutzen Sie nach Möglichkeit eine feste und ebene Unterlage.

Legen Sie eine Hand vorsichtig auf die Stirn. Heben Sie mit zwei Fingern der anderen Hand das Kinn leicht an.

Der Kopf bleibt dabei annähernd gerade. Er wird nur leicht ausgerichtet und nicht so weit nach hinten geneigt wie bei einem Erwachsenen.

Achten Sie darauf: Drücken Sie nicht auf das weiche Gewebe unterhalb des Kinns. Dadurch könnten die Atemwege eingeengt werden.
Infografik zur richtigen und falschen Kopfposition beim Öffnen der Atemwege eines Säuglings mit neutraler Kopfhaltung, leichter Kinnanhebung und Beispielen für Überstreckung.

Schritt 4

Atmung prüfen

Halten Sie Ihr Gesicht dicht über Mund und Nase des Säuglings und prüfen Sie die Atmung höchstens zehn Sekunden lang.

  • Sehen Sie, ob sich der Brustkorb regelmäßig hebt und senkt.
  • Hören Sie auf normale Atemgeräusche.
  • Fühlen Sie an Ihrer Wange, ob Luft aus Mund und Nase strömt.
Keine normale Atmung: Einzelne schnappende, unregelmäßige oder auffällig seltene Atemzüge gelten nicht als normale Atmung. Sind Sie unsicher, handeln Sie so, als würde der Säugling nicht normal atmen.

Der Säugling atmet normal

Alarmieren Sie den Rettungsdienst über 112 und beobachten Sie den Säugling fortlaufend. Prüfen Sie regelmäßig, ob die normale Atmung bestehen bleibt.

Der Säugling atmet nicht normal

Beginnen Sie sofort mit den ersten fünf Beatmungen.

Die ersten fünf Beatmungen

Bei der Wiederbelebung eines Säuglings stehen zu Beginn fünf Beatmungsversuche. Führen Sie diese ruhig, vorsichtig und ohne unnötige Verzögerung durch.

  1. Öffnen Sie die Atemwege erneut.
    Bringen Sie den Kopf in eine annähernd gerade Position und heben Sie das Kinn leicht an.
  2. Umschließen Sie Mund und Nase.
    Umschließen Sie mit Ihrem Mund gleichzeitig den Mund und die Nase des Säuglings. Achten Sie auf einen möglichst dichten Abschluss.
  3. Beatmen Sie ungefähr eine Sekunde lang.
    Beatmen Sie vorsichtig und gleichmäßig Luft ein.
  4. Beobachten Sie den Brustkorb.
    Geben Sie nur so viel Luft, dass sich der Brustkorb sichtbar hebt.
  5. Lassen Sie den Brustkorb wieder absinken.
    Nehmen Sie Ihren Mund weg und wiederholen Sie den Ablauf insgesamt fünfmal.
Der richtige Maßstab

Beatmen Sie ungefähr eine Sekunde lang und nur so kräftig, dass sich der Brustkorb sichtbar hebt.

Infografik zur Mund-zu-Mund-und-Nase-Beatmung beim Säugling mit richtiger Kopfposition, leicht angehobenem Kinn und sichtbarem Anheben des Brustkorbs.

Warum beginnt die Wiederbelebung mit fünf Beatmungen?

Bei Säuglingen und Kindern entsteht ein Herz-Kreislauf-Stillstand häufig, nachdem der Körper zuvor zu wenig Sauerstoff erhalten hat. Die ersten Beatmungen sollen deshalb möglichst schnell wieder Luft in die Lunge bringen.

Außerdem gelingt nicht jeder Beatmungsversuch sofort. Möglicherweise ist die Kopfposition noch nicht richtig, der Mund schließt Mund und Nase noch nicht vollständig ab oder ein Teil der Luft entweicht. Fünf Versuche erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass wirksame Beatmungen gelingen.

Wichtig: Fünf Beatmungsversuche bedeuten nicht, dass besonders viel oder besonders kräftig beatmet werden soll. Jeder einzelne Atemzug wird vorsichtig gegeben und am sichtbaren Anheben des Brustkorbs ausgerichtet.

Der Brustkorb hebt sich nicht

Hebt sich der Brustkorb bei einem Beatmungsversuch nicht, blasen Sie nicht automatisch stärker. Prüfen Sie stattdessen die Durchführung:

  • Befindet sich der Kopf in einer annähernd geraden Position?
  • Ist das Kinn leicht angehoben?
  • Umschließt Ihr Mund den Mund und die Nase vollständig?
  • Entweicht seitlich Luft?

Korrigieren Sie die Kopfposition und versuchen Sie erneut zu beatmen.

Nicht blind in den Mund greifen: Entfernen Sie ausschließlich Fremdkörper, die Sie deutlich sehen und leicht erreichen können. Durch blindes Suchen könnte ein Gegenstand tiefer in die Atemwege geschoben werden.

Beginnen Sie nach insgesamt fünf Beatmungsversuchen mit der Herzdruckmassage, wenn der Säugling weiterhin nicht normal atmet. Verlieren Sie keine zusätzliche Zeit mit immer neuen Beatmungsversuchen.

Notruf 112 veranlassen

Ist eine zweite Person anwesend, beauftragen Sie diese sofort mit dem Notruf. Sagen Sie deutlich:

Klare Anweisung

Rufen Sie den Rettungsdienst unter 112 und kommen Sie anschließend sofort zurück.

Sind Sie allein und haben ein Mobiltelefon bei sich, wählen Sie 112 und stellen Sie das Telefon auf Lautsprecher. So können Sie beim Säugling bleiben und gleichzeitig den Anweisungen der Rettungsleitstelle folgen.

Ist kein Telefon unmittelbar erreichbar, führen Sie zunächst ungefähr eine Minute lang Wiederbelebungsmaßnahmen durch. Verlassen Sie den Säugling anschließend nur so kurz wie unbedingt notwendig, um den Notruf abzusetzen.

Der Säugling atmet weiterhin nicht normal

Beginnen Sie jetzt ohne weitere Verzögerung mit der Herzdruckmassage. Dabei wird der Brustkorb mit beiden Händen umfasst und mit beiden Daumen gedrückt. Herzdruckmassage und Beatmung werden anschließend in einem festen Rhythmus miteinander verbunden.

Herzdruckmassage beim Säugling

Atmet der Säugling nach den ersten fünf Beatmungsversuchen weiterhin nicht normal, beginnen Sie sofort mit der Herzdruckmassage.

Legen Sie den Säugling auf den Rücken. Verwenden Sie möglichst eine feste und ebene Unterlage. Umfassen Sie den Brustkorb mit beiden Händen und drücken Sie mit beiden Daumen auf die Mitte des Brustkorbs.

Herzdruckmassage auf einen Blick

  1. Legen Sie den Säugling auf den Rücken auf eine möglichst feste Unterlage.
  2. Umfassen Sie den Brustkorb mit beiden Händen.
  3. Legen Sie beide Daumen nebeneinander auf die Mitte des Brustkorbs.
  4. Drücken Sie den Brustkorb ungefähr ein Drittel tief ein. Das entspricht bei einem Säugling etwa vier Zentimetern.
  5. Lassen Sie den Brustkorb nach jedem Druck wieder vollständig zurückkommen.
  6. Drücken Sie mit einer Geschwindigkeit von 100 bis 120 Herzdruckmassagen pro Minute.

Die Zwei-Daumen-Methode

Bei der heute empfohlenen Technik wird der Brustkorb des Säuglings mit beiden Händen umfasst. Die Finger liegen seitlich und hinter dem Rücken. Beide Daumen befinden sich auf der Mitte des Brustkorbs.

Der eigentliche Druck wird mit den Daumen ausgeübt. Die übrigen Finger halten und stabilisieren den Säugling, ohne den Brustkorb seitlich zusammenzudrücken.

Einfacher Merksatz

Die Finger halten und stabilisieren. Die Daumen drücken.

Die richtige Position der Daumen

Legen Sie beide Daumen nebeneinander auf die untere Hälfte des Brustbeins. Dies entspricht ungefähr der Mitte des Brustkorbs.

Bei einem sehr kleinen Säugling können die Daumen leicht übereinanderliegen. Entscheidend ist, dass der Druck in der Mitte des Brustkorbs und nicht seitlich auf den Rippen ausgeübt wird.

Nicht an diesen Stellen drücken
  • Nicht auf den seitlichen Rippen drücken.
  • Nicht auf den Oberbauch drücken.
  • Nicht auf die untere Spitze des Brustbeins drücken.
  • Nicht in Richtung Hals drücken.
Infografik zur richtigen Daumenposition bei der Herzdruckmassage eines Säuglings mit korrekter Platzierung in der Mitte des Brustkorbs sowie Beispielen für eine zu hohe, zu tiefe und zu seitliche Position.

Wie tief und wie schnell wird gedrückt?

Drucktiefe

Ungefähr ein Drittel des Brustkorbs. Bei einem Säugling entspricht dies etwa vier Zentimetern.

Geschwindigkeit

100 bis 120 Herzdruckmassagen pro Minute. Das entspricht ungefähr zwei Bewegungen pro Sekunde.

Drücken Sie senkrecht nach unten. Lassen Sie den Brustkorb nach jeder Herzdruckmassage wieder vollständig in seine Ausgangsposition zurückkommen.

Die Daumen können währenddessen auf dem Brustkorb bleiben. Sie dürfen sich zwischen den einzelnen Bewegungen jedoch nicht dauerhaft auf den Brustkorb stützen.

Wichtig: Drücken Sie nicht nur vorsichtig an der Oberfläche. Eine wirksame Herzdruckmassage muss den Brustkorb sichtbar und spürbar eindrücken.

Welcher Rhythmus gilt?

Nach den ersten fünf Beatmungen werden Herzdruckmassage und Beatmung miteinander verbunden. Dabei können zwei unterschiedliche Rhythmen angewendet werden.

Welcher Ablauf für Sie geeignet ist, hängt davon ab, ob Sie die Wiederbelebung von Säuglingen und Kindern gezielt erlernt und praktisch geübt haben.

Für gezielt geschulte Helfende

15 Herzdruckmassagen und 2 Beatmungen

Haben Sie die Wiederbelebung von Säuglingen und Kindern in einem Kindernotfallkurs oder einer vergleichbaren Ausbildung praktisch geübt, können Sie den Rhythmus 15 zu 2 anwenden.

Führen Sie 15 Herzdruckmassagen durch. Geben Sie anschließend zwei Beatmungen. Setzen Sie den Wechsel ohne unnötige Unterbrechungen fort.

Für ungeschulte oder unsichere Helfende

30 Herzdruckmassagen und 2 Beatmungen

Kennen Sie bisher nur die Wiederbelebung eines Erwachsenen oder sind Sie sich beim Ablauf unsicher, verwenden Sie den bekannten Rhythmus 30 zu 2.

Führen Sie 30 Herzdruckmassagen durch. Geben Sie anschließend zwei Beatmungen. Setzen Sie diesen Wechsel ohne unnötige Unterbrechungen fort.

Welchen Rhythmus soll ich wählen?

Haben Sie 15 zu 2 bei Säuglingen und Kindern praktisch erlernt, wenden Sie diesen Ablauf an.

Kennen Sie nur 30 zu 2 oder sind Sie unsicher, bleiben Sie bei 30 zu 2. Wichtiger als die Wahl des Rhythmus ist, dass Sie sofort beginnen und die Wiederbelebung fortsetzen.

Warum wird heute mit beiden Daumen gedrückt?

Früher wurde einzelnen Helfenden häufig die Herzdruckmassage mit zwei Fingern gezeigt. Heute wird bei Säuglingen die Zwei-Daumen-Methode empfohlen.

Mit beiden Daumen lässt sich die notwendige Drucktiefe in der Regel zuverlässiger erreichen. Die Hände stabilisieren gleichzeitig den Brustkorb und den Rücken des Säuglings.

Besonders bei einer länger dauernden Wiederbelebung kann die Zwei-Daumen-Methode zudem dabei helfen, gleichmäßiger zu drücken und langsamer zu ermüden.

Die frühere Zwei-Finger-Methode war nicht grundsätzlich falsch. Die Zwei-Daumen-Methode ermöglicht jedoch meist eine bessere und gleichmäßigere Herzdruckmassage.

Mögliche Probleme bei der Zwei-Daumen-Methode

Die Zwei-Daumen-Methode verbessert die Qualität der Herzdruckmassage. Sie muss jedoch richtig durchgeführt werden. Einige praktische Schwierigkeiten sollten Eltern und Helfende kennen.

Seitliches Zusammendrücken des Brustkorbs

Die Finger sollen den Brustkorb nur umfassen und stabilisieren. Drücken Sie die Hände nicht wie eine Zange zusammen.

Der Druck erfolgt ausschließlich mit den Daumen senkrecht auf das Brustbein. Dadurch wird vermieden, dass der Brustkorb seitlich zusammengedrückt wird.

Die Hände sind vollständig gebunden

Für die Zwei-Daumen-Methode werden beide Hände benötigt. Der Säugling kann währenddessen nicht sicher getragen werden.

Legen Sie ihn deshalb möglichst auf eine feste Unterlage und führen Sie die Wiederbelebung an Ort und Stelle durch. Verwenden Sie ein Mobiltelefon nach Möglichkeit über die Lautsprecherfunktion.

Sehr kleine Hände oder ein größerer Säugling

Je nach Größe des Kindes und der Hände kann es schwierig sein, den Brustkorb vollständig zu umfassen.

Entscheidend ist, dass Sie den Brustkorb sicher stabilisieren und die notwendige Drucktiefe erreichen. Kann die Zwei-Daumen-Methode nicht wirksam durchgeführt werden, folgen Sie den Anweisungen der Rettungsleitstelle.

Wiederbelebung während des Tragens

Eine wirksame Herzdruckmassage ist während des Gehens oder Tragens kaum möglich. Bewegen Sie den Säugling nur, wenn dies wegen einer unmittelbaren Gefahr oder zum Erreichen des Notrufs unbedingt notwendig ist. Setzen Sie die Wiederbelebung anschließend sofort auf einer festen Unterlage fort.

Kann ich den Säugling durch die Herzdruckmassage verletzen?

Viele Eltern haben Angst, zu fest zu drücken oder den Brustkorb ihres Kindes zu verletzen. Diese Sorge ist verständlich. Sie darf jedoch nicht dazu führen, dass die Wiederbelebung zu spät oder gar nicht begonnen wird.

Bei einer wirksamen Herzdruckmassage können Verletzungen nicht vollständig ausgeschlossen werden. Ein Säugling, der bewusstlos ist und nicht normal atmet, befindet sich jedoch in unmittelbarer Lebensgefahr.

Ohne Herzdruckmassage wird kein Blut mehr ausreichend zum Gehirn und zu den anderen lebenswichtigen Organen gepumpt. Eine mögliche Verletzung kann später behandelt werden. Ein unbehandelter Herz-Kreislauf-Stillstand dagegen führt innerhalb kurzer Zeit zu schweren Schäden.

Die wichtigste Botschaft

Haben Sie keine Angst davor, mit der Wiederbelebung zu beginnen. Das größte Risiko besteht darin, bei einem bewusstlosen und nicht normal atmenden Säugling nichts zu tun.

Herzdruckmassage und Beatmung gehören zusammen

Wechseln Sie nach 15 beziehungsweise 30 Herzdruckmassagen zu zwei Beatmungen. Halten Sie die Unterbrechung möglichst kurz und setzen Sie die Wiederbelebung anschließend unmittelbar fort. Neben der richtigen Technik kommt es nun darauf an, typische Fehler zu vermeiden und die Maßnahmen so lange wie notwendig weiterzuführen.

Typische Fehler bei der Wiederbelebung

Die meisten Fehler entstehen nicht aus mangelndem Wissen, sondern aus Unsicherheit. Wer ruhig bleibt und sich an den Ablauf erinnert, macht bereits sehr vieles richtig.

Die häufigsten Fehler

  • Die Atmung wird länger als zehn Sekunden geprüft.
  • Es wird aus Angst gar nicht begonnen.
  • Es wird zu kräftig beatmet.
  • Der Brustkorb hebt sich nicht und trotzdem wird immer kräftiger geblasen.
  • Die Herzdruckmassage wird zu flach durchgeführt.
  • Zwischen Herzdruckmassage und Beatmung entstehen lange Pausen.
  • Der Rettungsdienst wird zu spät verständigt.

Häufig gestellte Fragen

Kann ich meinem Kind durch die Wiederbelebung schaden?

Mögliche Verletzungen sind deutlich weniger schwerwiegend als ein unbehandelter Herz-Kreislauf-Stillstand. Deshalb sollten Sie sofort mit der Wiederbelebung beginnen.

Was ist, wenn das Herz doch noch schlägt?

Entscheidend ist nicht das Ertasten eines Pulses. Reagiert der Säugling nicht und atmet er nicht normal, beginnen Sie mit den beschriebenen Maßnahmen.

Was ist, wenn ich keine Beatmung durchführen möchte?

Beim Säugling ist die Beatmung ein besonders wichtiger Bestandteil der Wiederbelebung. Können oder möchten Sie dennoch nicht beatmen, beginnen Sie sofort mit der Herzdruckmassage. Dies ist besser als gar keine Hilfe zu leisten.

Wie lange muss ich wiederbeleben?

Bis der Säugling wieder normal atmet, der Rettungsdienst übernimmt oder Sie körperlich nicht mehr in der Lage sind weiterzumachen.

AED beim Säugling

Ist ein automatisierter externer Defibrillator (AED) schnell verfügbar, sollte er ebenfalls eingesetzt werden.

Verwenden Sie nach Möglichkeit Kinder-Elektroden oder einen Kinder-Modus. Ist dies nicht vorhanden, kann auch ein AED mit Erwachsenen-Elektroden eingesetzt werden.

Ist auf dem Brustkorb zu wenig Platz, wird eine Elektrode vorne auf den Brustkorb und die zweite auf den Rücken geklebt.

Praktisches Üben gibt Sicherheit

Kein Artikel kann praktische Übungen ersetzen. Das Lesen dieses Ratgebers vermittelt Ihnen das notwendige Hintergrundwissen. Wirkliche Sicherheit entsteht jedoch erst durch das praktische Üben an einer Übungspuppe.

In einem Kindernotfallkurs lernen Sie unter anderem die richtige Kopfposition, die Mund-zu-Mund-und-Nase-Beatmung, die Zwei-Daumen-Methode sowie die richtige Drucktiefe unter fachlicher Anleitung.

Das Wichtigste in Kürze

  1. Ruhe bewahren.
  2. Reaktion und Atmung prüfen.
  3. Bei unzureichender Reaktion und nicht normaler Atmung.
    Fünf Beatmungsversuche durchführen.
    Falls Sie nicht alleine sind, sofort Notruf veranlassen!
  4. Notruf 112 veranlassen 
  5. Herzdruckmassage beginnen.
  6. 15 : 2 oder 30 : 2 anwenden – je nach Ausbildung.
  7. Bis zum Rettungsdienst weitermachen.

Fazit

Die Wiederbelebung eines Säuglings gehört zu den belastendsten Situationen, die Eltern erleben können. Gerade deshalb ist es wichtig zu wissen, dass niemand eine perfekte Wiederbelebung erwartet. Entscheidend ist, dass Sie handeln. Mit den ersten fünf Beatmungen, einer wirksamen Herzdruckmassage und einem frühzeitigen Notruf können Sie Ihrem Kind die bestmögliche Chance geben, bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes zu überleben. Jede begonnene Wiederbelebung ist besser als keine Wiederbelebung.

Quellen und weiterführende Literatur

Die medizinischen Inhalte dieses Ratgebers beruhen auf aktuellen Leitlinien, internationalen Evidenzbewertungen und ergänzenden wissenschaftlichen Veröffentlichungen. Die Quellen wurden zuletzt am 5. August 2026 geprüft.

Leitlinien und offizielle Handlungsempfehlungen

  1. European Resuscitation Council Guidelines 2025: Paediatric Life Support
    Djakow J, Turner NM, Skellett S, et al. Resuscitation. 2025;215(Suppl 1):110767.
    Grundlage für den Wiederbelebungsablauf, die fünf ersten Beatmungen, die Zwei-Daumen-Methode, die Drucktiefe, die Wiederbelebungsrhythmen und den AED-Einsatz.
    Zur ERC-Leitlinie
  2. European Resuscitation Council: Guidelines 2025 on Resuscitation for Everyone
    Laienverständliche Zusammenfassung der europäischen Wiederbelebungsleitlinien.
    Zur Zusammenfassung für Laien
  3. Resuscitation Council UK: Paediatric Basic Life Support Guidelines 2025
    Handlungsempfehlungen zur Wiederbelebung von Säuglingen und Kindern, zur Kopfposition, Beatmung, Zwei-Daumen-Methode und den Rhythmen 15 zu 2 beziehungsweise 30 zu 2.
    Zu den Leitlinien
  4. Resuscitation Council UK: How to give a baby CPR
    Öffentlich zugängliche Schritt-für-Schritt-Anleitung zur Wiederbelebung eines Säuglings.
    Zur Anleitung

Internationale Evidenzbewertungen

  1. ILCOR: Chest Compression to Ventilation Ratio – Bystander Pediatric
    Evidenzbewertung zum Verhältnis von Herzdruckmassage und Beatmung bei der Wiederbelebung von Säuglingen und Kindern.
    Zur ILCOR-Evidenzbewertung
  2. ILCOR: Starting CPR – Airway, Breathing, Compressions versus Compressions, Airway, Breathing
    Evidenzbewertung zur Reihenfolge von Beatmung und Herzdruckmassage.
    Zur ILCOR-Auswertung
  3. ILCOR: Public-Access Defibrillation bei Säuglingen und Kindern
    Evidenzbewertung zum Einsatz automatisierter externer Defibrillatoren bei Säuglingen, Kindern und Jugendlichen.
    Zur AED-Evidenzbewertung
  4. ILCOR: Impact of Transport on CPR Quality
    Evidenzbewertung zum Einfluss von Bewegung und Transport auf die Qualität der Wiederbelebung.
    Zur ILCOR-Auswertung

Studien zu den ersten fünf Beatmungen

  1. Five versus two initial rescue breaths during infant basic life support
    Randomisierte Untersuchung an einem Säuglingsmodell zur Wirksamkeit von fünf statt zwei ersten Beatmungsversuchen.
    Zur vollständigen Studie

Studien zur Zwei-Daumen-Methode

  1. Comparing the two-finger versus two-thumb technique for single-person infant CPR
    Millin MG, Bogumil D, Fishe JN, Burke RV. Systematische Übersichtsarbeit und Metaanalyse.
    Zur Studie bei PubMed
  2. Two-thumb technique is superior to two-finger technique during infant manikin CPR
    Systematische Übersichtsarbeit und Metaanalyse zur Qualität der Herzdruckmassage und zur Ermüdung der Helfenden.
    Zur vollständigen Studie
  3. Two-thumb or two-finger technique in infant cardiopulmonary resuscitation by a single rescuer?
    Chang CY, Hou YT, Li WC, Tsai MS. Metaanalyse zur Qualität der beiden Methoden.
    Zur vollständigen Studie
  4. Analysis of chest-compression depth and full recoil in two infant chest-compression techniques
    Simulationsstudie zu Drucktiefe und vollständiger Entlastung des Brustkorbs.
    Zur vollständigen Studie
  5. Comparison of two-thumb encircling and two-finger technique during infant CPR
    Untersuchung an einem Säuglingsmodell zur Drucktiefe und Qualität der Herzdruckmassage.
    Zur Studie bei PubMed

Studien zur Beatmung eines Säuglings

  1. Ventilation during cardiopulmonary resuscitation in the infant
    Vergleich von Mund-zu-Mund-und-Nase-Beatmung und Beutel-Masken-Beatmung an einem Säuglingsmodell.
    Zur Studie bei PubMed
  2. Pediatric ventilation skills by non-healthcare students
    Simulationsstudie zur Qualität verschiedener Beatmungsmethoden bei Säuglingen durch Personen ohne medizinische Berufsausbildung.
    Zur vollständigen Studie

Verletzungsrisiken durch Wiederbelebungsmaßnahmen

  1. Cardiopulmonary resuscitation injuries in children
    Übersichtsarbeit zu möglichen Verletzungen nach Wiederbelebungsmaßnahmen bei Kindern.
    Zur vollständigen Veröffentlichung
Hinweis zur wissenschaftlichen Einordnung

Ein großer Teil der Forschung zu Wiederbelebungstechniken bei Säuglingen wurde an Übungspuppen oder in Simulationssituationen durchgeführt. Die konkreten Handlungsempfehlungen dieses Ratgebers richten sich deshalb vorrangig nach den aktuellen europäischen Wiederbelebungsleitlinien. Ergänzende Studien erläutern die wissenschaftlichen Hintergründe einzelner Empfehlungen.

Fachlich erstellt von Pierre Pötzl
Notfallsanitäter und Ausbilder für Erste Hilfe
Zuletzt fachlich geprüft und aktualisiert: August 2026

Redaktionelle Verantwortung
Dieser Ratgeber wurde unter redaktioneller Verantwortung von Pierre Pötzl erstellt und auf Grundlage der zum Zeitpunkt der Veröffentlichung geltenden europäischen Leitlinien geprüft. Medizinische Inhalte werden vor der Veröffentlichung fachlich kontrolliert und bei relevanten Änderungen aktualisiert. Trotz sorgfältiger Prüfung ersetzt der Artikel weder eine praktische Erste-Hilfe-Ausbildung noch die Anleitung durch die Rettungsleitstelle im konkreten Notfall.

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